Nachrichten ohne Bad Feeling

Wie kann man sich mit Nachrichten auseinandersetzen, ohne die mentale Gesundheit zu gefährden?

Krieg, Proteste, Tarife, die aktuelle Nachrichtenlandschaft scheint vor allem von einem geprägt zu sein: Problemen. Neben Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt, politischer Radikalisierung und Krieg berichten Medien von politischer Unterdrückung, Unfällen und Einschränkungen persönlicher Freiheiten in verschiedenen Teilen der Welt. Solche Nachrichten können schwer zu verarbeiten sein und die Stimmung negativ beeinflussen. Häufig entsteht ein Gefühl von Machtlosigkeit und es stellt sich für viele Menschen die Frage: Warum eigentlich überhaupt noch Nachrichten schauen?

 

Warum es wichtig bleibt, informiert zu sein
Auch wenn negative Nachrichten zu überwiegen scheinen, bleibt es weiterhin wichtig, sich wirtschaftlich und politisch informiert zu halten. Nicht nur als Wählende tragen Menschen politische Verantwortung. Um ein funktionierendes demokratisches System aufrechtzuerhalten, ist es essentiell, dass aktuelle Themen in der Gesellschaft aufgegriffen und diskutiert werden, und zwar nicht nur hinter verschlossenen Türen. Ein aktiver Diskurs hilft dabei sicherzustellen, dass politische Entscheidungen verstanden, evaluiert und hinterfragt werden können. Zudem unterbindet das Überdenken eigener Positionen politische Radikalisierung und Marginalisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen. Informiert zu bleiben ist also auch für diejenigen Menschen wichtig, die mit aktuellen Meldungen auf den ersten Blick wenige Berührungspunkte haben.

 

Warum viele Menschen Nachrichten meiden
Trotz der Wichtigkeit äußern viele Menschen insbesondere aktuell Zweifel daran, sich mit den Nachrichten auseinandersetzen zu wollen. Eine Umfrage unter volljährigen Internetnutzer:innen ergab, dass im Jahr 2025 erstmals 71 Prozent der befragten Personen angaben, mindestens ab und zu Nachrichten aktiv zu meiden. Diese Tendenz war bei den unter 45-Jährigen im Vergleich zu älteren Nutzer:innen noch etwas stärker ausgeprägt. Der primäre Grund unter Befragten für dieses Verhalten waren die Auswirkungen auf die Stimmung. Wie ist es also möglich, sich politisch zu informieren, ohne die eigene mentale Gesundheit zu gefährden?

 

Die richtige Nachrichtenquelle wählen
Zunächst einmal ist es wichtig, eine geeignete Nachrichtenquelle zu finden. Auf diese Weise soll vermieden werden, auf Falschinformationen oder voreingenommene Berichterstattung zu stoßen. Die Wahl des richtigen Mediums kann zudem sicherstellen, dass es sich um ein Format handelt, das für die individuelle Person geeignet ist. Personenspezifisch können Nachrichten aus dem Fernsehen, dem Radio, der Zeitung oder sozialen Medien bezogen werden, wobei es bei letzteren wichtig ist, im Kopf zu behalten, dass das Scrollen an sich bereits emotionale Reaktionen hervorrufen kann. Das Zurückgreifen auf traditionelle Medien könnte unter Umständen also weniger aufreibend sein.

 

Das Lesen von Nachrichten im Artikelformat bietet den Vorteil, dass Informationen im eigenen Tempo aufgenommen werden können, was Überforderung entgegenwirkt. Einige Radioformate integrieren bewusst positive Nachrichten in ihre Sendungen, um Gefühlen von Hoffnungslosigkeit entgegenwirken zu können. Podcasts bieten den Vorteil, Nachrichten von einer bekannten Stimme vermittelt zu bekommen, was für manche Menschen beruhigend wirken kann. Die Wahl des richtigen Formats spielt also bereits eine Rolle dabei, Nachrichten erträglicher zu machen.

 

Der richtige Zeitpunkt für Nachrichten
Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Timing. Insbesondere direkt nach dem Aufwachen oder kurz vor dem Schlafengehen kann es besser sein, Nachrichten zu meiden, damit unser Stresshormon Kortisol nicht in die Höhe schießt oder wir Probleme dabei haben, einzuschlafen. Besser geeignete Zeiten zum Konsumieren von Nachrichten sind Vormittag, Mittag und Nachmittag, wobei das Implementieren fester Rituale wie beispielsweise einer festen Nachrichtensendung dabei helfen kann, ein Gefühl von Sicherheit zu erzeugen. Prof. Buschow von der TU Hamburg schlägt vor, durch eine sogenannte “News-Life-Balance” auch mal Zeit ohne Handy und Zugang zu Nachrichten zu verbringen.

 

Austausch mit anderen Menschen
Neben der Wahl des Mediums und des Timings kann es auch hilfreich sein, mit anderen Menschen über die behandelten Themen zu sprechen. Auf diese Weise können sich Personen nicht nur gegenseitig informiert halten, sondern auch Meinungen bilden und diese kritisch hinterfragen. Insbesondere vor dem Hintergrund künstlicher Intelligenz ist die Fähigkeit, kritisch zu denken, ein essentieller Bestandteil davon, sich adäquat auf dem Laufenden zu halten.

 

Persönliches Engagement gegen Machtlosigkeit
Zuletzt ist es für viele Menschen hilfreich, sich persönlich zu engagieren. Ein Aspekt, der häufig dazu beiträgt, dass sich Personen von den Nachrichten überfordert fühlen, ist die wahrgenommene Machtlosigkeit, die sie auslösen können. Es kann schwer zu ertragen sein, wenn von Problemen berichtet wird, auf die man als Einzelperson kaum Einfluss nehmen kann. Man spricht hier von einem externen Locus of Control, der Wahrnehmung, dass jeglicher Handlungsspielraum außerhalb der eigenen Person liegt. Eine solche Einstellung kann dazu führen, dass Menschen eine geringe Selbstwirksamkeitserwartung erleben, also glauben, nichts an einer Situation ausrichten zu können.

 

Der beste Weg, um solchen Gefühlen entgegenzuwirken, sind persönliche Handlungen, auch wenn sie klein sind. Das Besuchen von Demonstrationen, ehrenamtliche Mitarbeit in einem Verein, mit dessen Interessen man sich gut identifizieren kann, oder aktiver Diskurs im persönlichen Umfeld können bereits dazu beitragen, sich weniger machtlos zu fühlen, wenn in den Nachrichten von negativen Ereignissen berichtet wird.

 

Fazit: Informiert bleiben und Grenzen setzen
Sich zu informieren ist also wichtig, auch wenn die Nachrichtenlandschaft aktuell von vielen negativen Meldungen geprägt ist. Gleichzeitig ist es vollkommen nachvollziehbar, dass sich viele Menschen überfordert und deprimiert fühlen. Durch Strategien wie die Wahl der richtigen Medien, das Implementieren von Ritualen, Konversation im Bekanntenkreis und das Setzen von Grenzen solltest du also sicherstellen, dass du deine mentale Gesundheit schützt. Schlussendlich sind nur diejenigen Personen in der Lage, sich für das einzusetzen, was ihnen wichtig ist, die auch für ihre eigenen Bedürfnisse und Grenzen einstehen können.

 

Zum Schluss möchten wir dir noch den Tipp mitgeben, dich auch mal aktiv mit positiven Nachrichten zu . Diese sind beispielsweise auf verschiedenen Internetseiten, im Radio oder auf Social Media zu finden.

Unsere Empfehlung

App “Good News”

Für alle, die sich gerne mal nur mit guten Nachrichten beschäftigen wollen, empfehlen wir die App “ Good News”. Schaut einfach mal rein, es wird sich lohnen.

Wirtschaftsindizes verstehen

Press Freedom Index (Rangliste der Pressefreiheit)

Der Press Freedom Index, auch Rangliste der Pressefreiheit genannt, ist eine jährliche Bewertung der Reporter ohne Grenzen, die auf Grundlage von Fragebögen die Pressefreiheit nahezu aller Staaten im internationalen Vergleich misst.

 

Die aktuellste Veröffentlichung vom 02. Mai 2025 hat ergeben, dass in 90 von 180 Ländern die Lage der Pressefreiheit als schwierig bis sehr ernst einzustufen ist. Der Index für Deutschland hat 2025 zudem seinen neuesten Tiefstand erreicht, wonach Deutschland nicht mehr unter den Top-10-Ländern ist.

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